Der Begriff Fraktur wird in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet: zum einen sind damit Schriften gemeint, die seit dem 16. Jahrhundert entstanden sind, zum anderen ist Fraktur der Oberbegriff, mit dem alle gebrochenen Druckschriften bezeichnet werden. In der Aufteilung nach DIN 16518 finden wir die Hauptgruppe 10, Frakturschriften, unterteilt in a) Gotisch, b) Schwabacher und c) Fraktur. Der Ausdruck Fraktur ist vom lateinischen Wort für ›Bruch‹ abgeleitet und besagt, daß die aus der Antike stammenden runden Linien der Buchstaben gebrochen wurden. Dieser Vorgang setzte bereits zu Beginn des 13. Jahrhundert ein und hat seine Entsprechung in der Architektur, wo die romanischen Rundbögen gotisch gebrochen wurden.

Johannes Gutenberg verwendete sie als erste Druckschrift des Westens in seiner 42-zeiligen Bibel von 1455. Um 1470 erschien die zweite gebrochene Schriftgruppe, die Schwabacher. Sie ist vermutlich nach dem Ort bei Nürnberg benannt. Martin Luther, der mit seiner Bibelübersetzung zur Entstehung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache beitrug, gab ihr mit der Schwabacher eine vorzügliche Gestalt.

Die Fraktur-Schrift war bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhundert allgemein gebräuchlich.
In den Büchern der Grundschule, sowie den meisten Fachbücher, Romane, Bibeln und Gesangbücher wurde in Fraktur geschrieben.
Ebenso die meisten Zeitungen. Die Entscheidungen im Reichsgericht sowie die Reichsgesetzblätter wurden bis 1941 in Fraktur gehalten.

Viele der Jüngeren können diese Schrift nicht mehr lesen. Sie ist ihnen vollkommen fremd. Genauso fremd waren für unsere Urgroßeltern die Antiqua-Schriftarten.
Man begegnete der Antiqua früher in fremdsprachigen Büchern und Zeitschriften. Lediglich Fremdwörter sowie fremdsprachige Zitate wurden in Antiqua gesetzt.

Da man früher zum Schreiben Federn oder Breitfedern verwendete, die je nach Schreibrichtung verschieden breite Striche machten, war Fraktur der Schreibschrift ähnlicher und von daher leichter zu lesen.

Die gothische Schrift war überall in Europa weit verbreitet. Selbst nach Einführung des Buchdrucks war diese Schriftart gebräuchlich. Im Zuge der Renaissance wurde es modern, so weit wie möglich den antiken Vorbildern zu folgen. Ab Ende des 14.ten Jahrhunderts begann der “Deutsche Sonderweg”, da unsere Region durch die Niederlage der Bauern im Bauernkrieg sowie in den darauffolgendem Dreißigjährigen Krieg in ihrer Entwicklung weit zurückfiel und der kulturelle Zusammenhang mit den Nachbarländern schwächer wurde.
Im 16.ten Jahrhundert sorgten zwar Aufklärung und die französische Revolution auch hierzulande für einer kurzfristigen Verwendung der Antiqua-Schrift. Nach den Kriegen gegen Napoleon (1813-1815) kehrte Deutschland jedoch wieder zur Fraktur zurück. (Aus dem umgekehrten Grund wurde, während und nach den beiden Weltkriegen, in England und USA die Fraktur durch die “blackletter” ersetzt)

Die kulturelle Vormachtstellung Frankreichs, sowie der Neoklassizismus hatten die Antiqua-Schrift auch in Deutschland akzeptabel gemacht.
Nach der Machtübernahme des Nationalsozialismus wurde zunächst die Fraktur häufiger benutzt. 1933 – 1939 wurden viele neue Fraktur-Schriftschnitte erstellt.

Die Lage änderte sich radikal durch einen “Führerbefehl”. Adolf Hitler ordnete Anfang Januar 1941 persönlich an, daß die Frakturschrift zu verschwinden habe und durch Antiqua ersetzt werden müsse. Adolf Hitler war der Meinung, daß die Frakturschrift “Schwabacher Judenlettern” waren. Die Deutschen gehorchten und gaben eine jahrhundertlange Tradition auf. Zuvor wurde allerdings im Reichstag in den dreißiger Jahren um den Erhalt der Schrift erbittert gekämpft.

Der wahre Grund dürfte allerdings ein andere sein. Für Hitler war die Fraktur ein Hindernis bei der Durchsetzung der Befehle, da in den besetzten Länder die Fraktur nicht gebräuchlich und für die Bewohner schwer zu lesen war.

Hitler kündigte im Nürnberger Reichsparteitag 1934 folgendes an:

“Eure vermeintliche gotische Verinnerlichung paßt schlecht in das Zeitalter von Stahl und Eisen, Glas und Beton, von Frauenschönheit und Männerkraft, von hochgehobenem Haupt und trotzigem Sinn … Unsere Sprache wird in hundert Jahren die europäische Sprache sein. Die Länder des Ostens, des Nordens wie des Westens werden, um sich mit uns verständigen zu können, unsere Sprache lernen. Die Voraussetzung dafür: An die Stelle der gotisch genannten Schrift tritt die Schrift, welche wir bisher die lateinische nannten …”

Damit die Befehle der Deutschen für die Bevölkerung der besetzten Länder leichter lesbar wurde, mußte die Fraktur verschwinden.

Der Briefkopf des Erlasses hatte noch den “Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei / Der Stellvertreter des Führers” in Fraktur!

Stabsleiter

z. Zt. Obersalzberg, den 3.1.41

R u n d s c h r e i b e n (Nicht zur Veröffentlichung)

Zur allgemeinen Beachtung teile ich im Auftrag des Führers mit:

Die sogenannte gotische Schrift als eine deutsche Schrift anzusehen oder zu bezeichnen ist falsch. In Wirklichkeit besteht die sogenannte gotische Schrift aus Schwabacher Judenlettern. Genau wie sie sich später in den Besitz der Zeitungen setzten, setzten sich die in Deutschland ansässigen Juden bei Einführung des Buchdrucks in den Besitz der Buchdruckereien und dadurch kam es in Deutschland zu der starken Einführung der Schwabacher Judenlettern.

Am heutigen Tage hat der Führer in einer Besprechung mit Herrn Reichsleiter Amann und Herrn Buchdruckereibesitzer Adolf Müller entschieden, daß die Antiquaschrift künftig als Normal-Schrift zu bezeichnen sei. Nach und nach sollen sämtliche Druckerzeugnisse auf diese Normal-Schrift umgestellt werden. Sobald dies schulbuchmäßig möglich ist, wird in den Dorfschulen und Volksschulen nur mehr die Normal-Schrift gelehrt werden.

Die Verwendung der Schwabacher Judenlettern durch Behörden wird künftig unterbleiben. Ernennungsurkunden für Beamte, Straßenschilder u. dergl. werden künftig nur mehr in Normal-Schrift gefertigt werden.

Im Auftrage des Führers wird Herr Reichsleiter Amann zunächst jene Zeitungen und Zeitschriften, die bereits eine Auslandsverbreitung haben, oder deren Auslandsverbreitung erwünscht ist, auf Normal-Schrift umstellen.

gez. M. Bormann

Bitte klicken Sie hier für eine Kopie des Bormanns Schrifterlaß

Daß die Behauptungen über die “Judenlettern” sachlich ganz und gar falsch waren, hätten viele gewußt. Möglicherweise war das Rundschreiben deshalb nicht zur Veröffentlichung. Heute gilt das Verbot nicht mehr, aber kein Kultusminister ist bereit, der Frakturschrift einen zum Überleben erforderlichen Platz an den Schulen einzuräumen. »Manche Völker halten streng an ihrer überkommenen Schrift fest, ohne die Verbindung zur übrigen Welt zu verlieren.« (Alfred Geißler). Manch anderen fehlt es an kulturhistorischem Selbstverständnis.

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß mit dem Begriff ›Deutschland‹ ein Kultur- und Sprachraum bezeichnet wurde, lange bevor es den Nationalstaat gab. In dieser früheren Bedeutung verstand man unter ›Deutschland‹ oder ›deutschsprachiger Raum‹ seit dem 15. Jahrhundert zeitweise Teile Böhmens, Frankreichs, Polens, der Niederlande, Österreich-Ungarns, Luxemburgs, Schleswigs und der Schweiz neben dem eigentlich mit ›Deutschland‹ belegten Gebiet. Erst 1871 gründete einer Gruppe unabhängiger Staaten das Deutsche Reich unter dem König von Preußen, das – mit einigen durch Krieg und Reparationen bedingten neuen Grenzziehungen – bis 1945 bestand.

Antifaschisten benutzen Fraktur heute auf Abbildungen die Nazis anprangern. Ein Verein für “Deutsche Schrift und Sprache” wirbt für die Fraktur als “Deutsche Schrift”, obwohl die Fraktur bis in das 20.te Jahrhundert in England und Frankreich und sogar den USA als Schmuckschrift benutzt wurde. (Und jetzt wieder wird)
Sollte also heutzutage jemand gegen die Frakturschrift negativ eingestellt sein, sollte er sich einmal Gedanken machen ob er dabei nicht im eigentlichen Sinne des Führers handelt.

Die deutsche Geschichte hat mehr zu bieten als 1933 – 1945 und die Fraktur ist ein Teil der europäischen Kultur, mit einer besonderen Geschichte in Deutschland. Wie vieles andere auch.

Nützliche Winke zum Umgang mit gebrochenen Schriften (Frakturen),
Erstellt von Harald Rösler, BfdS-Schriftleiter. (PDF-Format)